"Deutschlands sexuelle Tragödie"
Bücher
15.09.2008
Dies ist der Titel eines kürzlich erschienenen Buches, das eine erschreckende Bilanz zur Jugendsexualität zieht. Für viele Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Verhältnissen gehört Pornografie zum Alltag.
Die Autoren des Buches heißen Wolfgang Büscher und Bernd Siggelkow. Letzterer ist der Gründer des Kinderhilfswerks Arche im Ostberliner Stadtteil Hellersdorf. Bernd Siggelkow hat die 30 Lebensgeschichten, die in "Deutschlands sexuelle Tragödie" mit veränderten Namen erzählt werden, nicht aus der Luft gegriffen. Tagtäglich begegnen ihm in seiner Einrichtung Kinder und Jugendliche, deren Umgang mit Sexualität und dem eigenen Körper schon frühzeitig abnormale Formen angenommen hat. Für viele der Kinder, die die Arche besuchen, ist das Anschauen von Pornos, teilweise sogar gemeinsam mit den Eltern, eine Normalität. 50 Sexpartner im Alter von 17 Jahren sind hier keine Seltenheit.
Sex als Ersatz
Bernd Siggelkow, der sich bereits gegenüber dem Magazin Stern über die sexuelle Verwahrlosung Jugendlicher geäußert hat (der Spion berichtete), hat mit Müttern gesprochen, die nicht verstehen, dass es ihre Kinder verstört, wenn sie sie beim Sex zuschauen lassen. Täglich trifft er arbeitslose, alleinstehende Mütter, die die Leere in ihrem Leben mit Sex zu füllen versuchen und auch ihren Kindern schon früh vermitteln, dass der eigene Körper das "wertvollste Kapital" ist. Siggelkow befürchtet, dass die hypersexualisierten Jugendlichen später zu keiner normalen, zärtlichen Partnerschaft mehr fähig sind.
Kein Massenphänomen
Derart frühreife, übersexualisierte Jugendliche seien jedoch kein Massenphänomen, heißt es im Zusammenhang mit Büschers und Siggelkows Buch auf Zeit.de. Laut Marita Völker Albert, Sprecherin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, haben in einer repräsentativen Umfrage zur Jugendsexualität nur etwa zehn Prozent der Jungen und Mädchen angegeben, schon mit 14 oder früher sexuelle Erfahrungen gesammelt zu haben. Die Beobachtungen der beiden Autoren seien also vor allem in sozial schwierigen Millieus zutreffend.
Bernd Siggelkow, einer, der genau weiß, wovon er spricht, wenn es um sexuelle Verwahrlosung von Jugendlichen geht, fordert mehr Freizeit- und Jugendeinrichtungen für Jugendliche aus schwierigen Millieus. Kinder brauchen mehr Betreuung, sie müssen anderswo den Rückhalt und die Zuneigung bekommen, die ihnen zu Hause fehlt. Sein Buch trägt den Untertitel "Wenn Kinder nicht mehr lernen, was Liebe ist".
(sh)
Dies ist der Titel eines kürzlich erschienenen Buches, das eine erschreckende Bilanz zur Jugendsexualität zieht. Für viele Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Verhältnissen gehört Pornografie zum Alltag.
Die Autoren des Buches heißen Wolfgang Büscher und Bernd Siggelkow. Letzterer ist der Gründer des Kinderhilfswerks Arche im Ostberliner Stadtteil Hellersdorf. Bernd Siggelkow hat die 30 Lebensgeschichten, die in "Deutschlands sexuelle Tragödie" mit veränderten Namen erzählt werden, nicht aus der Luft gegriffen. Tagtäglich begegnen ihm in seiner Einrichtung Kinder und Jugendliche, deren Umgang mit Sexualität und dem eigenen Körper schon frühzeitig abnormale Formen angenommen hat. Für viele der Kinder, die die Arche besuchen, ist das Anschauen von Pornos, teilweise sogar gemeinsam mit den Eltern, eine Normalität. 50 Sexpartner im Alter von 17 Jahren sind hier keine Seltenheit.
Sex als Ersatz
Bernd Siggelkow, der sich bereits gegenüber dem Magazin Stern über die sexuelle Verwahrlosung Jugendlicher geäußert hat (der Spion berichtete), hat mit Müttern gesprochen, die nicht verstehen, dass es ihre Kinder verstört, wenn sie sie beim Sex zuschauen lassen. Täglich trifft er arbeitslose, alleinstehende Mütter, die die Leere in ihrem Leben mit Sex zu füllen versuchen und auch ihren Kindern schon früh vermitteln, dass der eigene Körper das "wertvollste Kapital" ist. Siggelkow befürchtet, dass die hypersexualisierten Jugendlichen später zu keiner normalen, zärtlichen Partnerschaft mehr fähig sind.
Kein Massenphänomen
Derart frühreife, übersexualisierte Jugendliche seien jedoch kein Massenphänomen, heißt es im Zusammenhang mit Büschers und Siggelkows Buch auf Zeit.de. Laut Marita Völker Albert, Sprecherin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, haben in einer repräsentativen Umfrage zur Jugendsexualität nur etwa zehn Prozent der Jungen und Mädchen angegeben, schon mit 14 oder früher sexuelle Erfahrungen gesammelt zu haben. Die Beobachtungen der beiden Autoren seien also vor allem in sozial schwierigen Millieus zutreffend.
Bernd Siggelkow, einer, der genau weiß, wovon er spricht, wenn es um sexuelle Verwahrlosung von Jugendlichen geht, fordert mehr Freizeit- und Jugendeinrichtungen für Jugendliche aus schwierigen Millieus. Kinder brauchen mehr Betreuung, sie müssen anderswo den Rückhalt und die Zuneigung bekommen, die ihnen zu Hause fehlt. Sein Buch trägt den Untertitel "Wenn Kinder nicht mehr lernen, was Liebe ist".
(sh)
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