Der nächste, bitte! Aus dem Leben eines Singles
Kolumne
12.10.2007
Dienstag Abend, 20.00 Uhr. Raus aus dem Büro, rein ins Vergnügen. Ich bin jung. Dynamisch. Ungebunden. Die Nacht steht mir offen. Noch völlig aufgewühlt vom anstrengenden Arbeitstag rufe ich meine beste Freundin an. Ich könnte ein Bier gebrauchen. Zwei. Drei. Ja, okay, ich will mich gepflegt betrinken.
„Suuusi, hol' das Kleidchen raus, wir ziehen um die Häuser!“ Kurze Stille am anderen Ende. „Ach, weißt du, Stefan und ich wollen einen gemütlichen DVD-Abend machen.“ Düdüm. DVD-Abend. DVD-Abend! Das scheint so etwas wie ein inoffizielles Synonym für Pärchen-Langeweile geworden zu sein. Ich habe nichts gegen Filme, wirklich nicht. Und auch nichts gegen Pärchen – zumindest nicht generell. Nur scheinen Susi und Stefan in eine Videothek eingezogen zu sein. An gefühlten 5 Tagen in der Woche gibt es jenen besagten DVD-Abend; in der restlichen Zeit sind die beiden entweder zu müde oder besuchen die Familie. Familie, noch so ein Pärchen-Kapitel für sich. Meine eigene reicht mir schon völlig, persönlich lege ich keinen Wert auf Kaffeekränzchen mit der Schwiegermutter und sooo süße Babyfotos meines Freundes. Der Nicht-Existente wohlgemerkt. Das X. Die Variable in meiner Lebensgleichung, die immer gleich lautet: Nicht definiert.
Dabei schätze ich meine Ausgangslage nicht als aussichtslos ein: Ich bin intelligent, humorvoll und sehe gut aus – und offenbar bin ich auch eingebildet. Nun gut, irgendwas ist ja immer. Auf Susi kann ich augenscheinlich nicht zählen, also ziehe ich allein los. Die nächste Bar ist schnell gefunden, ein Gesprächspartner scheinbar auch - scheinbar, denn im Grunde redet er nur allein. Schon sein Einstieg ist misslungen: „Na? Ganz allein hier?“ Nein nein, ich habe eine ganze Bekanntenflotte dabei, nur leider haben sie sich entschieden, heute ihren Tarnumhang zu tragen. Tz tz. „Ja, ich bin allein. Meine Freunde wollen lieber gemütlich vorm Fernseher hocken“, lächle ich. Er kenne das auch und möchte wissen, was ich beruflich mache. Als ich ihm erzähle, dass ich in der Werbung tätig bin, habe ich kurzzeitig Angst, dass er vor Überschwenglichkeit vom Stuhl fallen könnte. Was für ein unglaublicher Zufall das doch sei! Er selbst studiere Kommunikationswissenschaften und könne sich durchaus vorstellen, später auch in diese Richtung zu gehen.
Es folgt ein dreißigminütiger Vortrag über die Zukunftsfähigkeit der Werbebranche. „Vielleicht interessiert es dich ja, dass ich demnächst ein Praktikum bei einer großen Medienagentur mache!“ Nein – nein, eigentlich interessiert mich das nicht. Ehrlich gesagt würde es mich auch nicht interessieren, wenn er platzte. Höflich ziehe ich mich zurück: „Das war ein netter [Anm.: nett = höflich für „scheiße“] Abend, aber ich bin ziemlich müde, entschuldige.“ Er zeigt sich verständnisvoll und gibt mir seine Telefonnummer. Zu Hause angekommen werfe ich sie natürlich sofort in den Müll, setze mich auf die Couch...... - und schiebe eine DVD rein.
In dem Sinne: 1 Kilo Eis ist so gut wie ein Kuss, sagt Lisa
Dienstag Abend, 20.00 Uhr. Raus aus dem Büro, rein ins Vergnügen. Ich bin jung. Dynamisch. Ungebunden. Die Nacht steht mir offen. Noch völlig aufgewühlt vom anstrengenden Arbeitstag rufe ich meine beste Freundin an. Ich könnte ein Bier gebrauchen. Zwei. Drei. Ja, okay, ich will mich gepflegt betrinken.
„Suuusi, hol' das Kleidchen raus, wir ziehen um die Häuser!“ Kurze Stille am anderen Ende. „Ach, weißt du, Stefan und ich wollen einen gemütlichen DVD-Abend machen.“ Düdüm. DVD-Abend. DVD-Abend! Das scheint so etwas wie ein inoffizielles Synonym für Pärchen-Langeweile geworden zu sein. Ich habe nichts gegen Filme, wirklich nicht. Und auch nichts gegen Pärchen – zumindest nicht generell. Nur scheinen Susi und Stefan in eine Videothek eingezogen zu sein. An gefühlten 5 Tagen in der Woche gibt es jenen besagten DVD-Abend; in der restlichen Zeit sind die beiden entweder zu müde oder besuchen die Familie. Familie, noch so ein Pärchen-Kapitel für sich. Meine eigene reicht mir schon völlig, persönlich lege ich keinen Wert auf Kaffeekränzchen mit der Schwiegermutter und sooo süße Babyfotos meines Freundes. Der Nicht-Existente wohlgemerkt. Das X. Die Variable in meiner Lebensgleichung, die immer gleich lautet: Nicht definiert.
Dabei schätze ich meine Ausgangslage nicht als aussichtslos ein: Ich bin intelligent, humorvoll und sehe gut aus – und offenbar bin ich auch eingebildet. Nun gut, irgendwas ist ja immer. Auf Susi kann ich augenscheinlich nicht zählen, also ziehe ich allein los. Die nächste Bar ist schnell gefunden, ein Gesprächspartner scheinbar auch - scheinbar, denn im Grunde redet er nur allein. Schon sein Einstieg ist misslungen: „Na? Ganz allein hier?“ Nein nein, ich habe eine ganze Bekanntenflotte dabei, nur leider haben sie sich entschieden, heute ihren Tarnumhang zu tragen. Tz tz. „Ja, ich bin allein. Meine Freunde wollen lieber gemütlich vorm Fernseher hocken“, lächle ich. Er kenne das auch und möchte wissen, was ich beruflich mache. Als ich ihm erzähle, dass ich in der Werbung tätig bin, habe ich kurzzeitig Angst, dass er vor Überschwenglichkeit vom Stuhl fallen könnte. Was für ein unglaublicher Zufall das doch sei! Er selbst studiere Kommunikationswissenschaften und könne sich durchaus vorstellen, später auch in diese Richtung zu gehen.
Es folgt ein dreißigminütiger Vortrag über die Zukunftsfähigkeit der Werbebranche. „Vielleicht interessiert es dich ja, dass ich demnächst ein Praktikum bei einer großen Medienagentur mache!“ Nein – nein, eigentlich interessiert mich das nicht. Ehrlich gesagt würde es mich auch nicht interessieren, wenn er platzte. Höflich ziehe ich mich zurück: „Das war ein netter [Anm.: nett = höflich für „scheiße“] Abend, aber ich bin ziemlich müde, entschuldige.“ Er zeigt sich verständnisvoll und gibt mir seine Telefonnummer. Zu Hause angekommen werfe ich sie natürlich sofort in den Müll, setze mich auf die Couch...... - und schiebe eine DVD rein.
In dem Sinne: 1 Kilo Eis ist so gut wie ein Kuss, sagt Lisa
weitere Nachrichten aus der Kategorie Kolumne:
Der Nordosten hat gewählt. Auch der Osten im Nordosten. Ganz im Osten, sozusagen. Fast schon dort, wo die Sonne aufgeht.
» mehr lesen
11 Kommentare
Erziehung ist keine leichte Sache. Das gilt für den richtigen Umgang mit Hunden wie auch für die Kindererziehung. Können Eltern von Hundetrainern lernen?
» mehr lesen
Der größte Tank kann einen nicht davor bewahren: Manchmal muss man auf der Autobahn einfach eine Zwischenstation einlegen. Eben weil man mal muss. Und schon ist man in den Händen der Abzocker!
» mehr lesen



